PD Daily — 3 Minuten

Die Natur ist der größte Dienstleister

14. Mai 2019
Themen:

Jedes Jahr schenkt sie uns Dienstleistungen im Wert von 111 Billionen Euro – noch. Mit diesem Argument versteht sogar Christian Lindner, warum Umweltschutz wichtig ist.



Die Natur steckt in einer nie dagewesenen Krise. Die Zerstörung der Ökosysteme ist in der Menschheitsgeschichte beispiellos. Die Geschwindigkeit, mit der Tier- und Pflanzenarten aussterben und so für immer von unserem Planeten verschwinden, nimmt künftig sogar noch weiter zu. Zu diesem Fazit kommt der Hier gibt es eine Zusammenfassung der Reports der Vereinten Nationen und weitere Informationen zum globalen Artensterben (englisch) neue Biodiversitätsbericht der Vereinten Nationen, der Anfang des Monats in Paris verabschiedet wurde.

Die Belege sind erdrückend: In den meisten Ökosystemen an Land hat die Artenvielfalt im letzten Jahrhundert um 20% abgenommen. Jede achte Tier- oder Pflanzenart dürfte es in 30 Jahren schon nicht mehr geben. Viele Arten sind bereits jetzt für immer von der Bildfläche verschwunden.

Doch: Warum sollte uns als Menschen das alles überhaupt interessieren?

Was die Natur für uns leistet

Die Natur hat einen Wert an und für sich; jedes Wesen hat ein Recht auf Leben! Diese Antwort kommt intuitiv in den Sinn, wirtschaftlich und politisch ist sie jedoch schwach. In der Logik des Marktes ist die Natur bisher meistens nur ein »Nice-to-have«, eine nette Dreingabe. Wenn sie in Konkurrenz zur wirtschaftlichen Entwicklung steht, zieht sie bei politischen Abwägungen jedoch meist den Kürzeren.

Deshalb versuchen Wissenschaftler und Umweltschützer seit geraumer Zeit herauszustellen, was die Natur alles für uns leistet. Zum Beispiel …

  • … reinigen Sumpfgebiete Wasser und stellen so Millionen Menschen Trinkwasser bereit.
  • … bestäuben Bienen und Insekten unsere Feldfrüchte und sorgen so dafür, dass unsere Vorratskammern gefüllt bleiben.
  • … schützen Mangrovenwälder Millionen Menschen vor Überflutungen.
  • … sichern Korallenriffe und andere Naturattraktionen Menschen weltweit ein Einkommen durch Tourismus.
  • … nehmen Regenwälder und Ozeane Unmengen an CO2 auf und schützen uns so vor einem noch viel dramatischeren Klimawandel.

Mit einem Fokus auf die sogenannten »Ökosystemdienstleistungen«, so die Hoffnung, lasse sich der konkrete Nutzen der Ökosysteme deutlich machen. Wirtschaft und Umweltschutz stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sie gehen Hand in Hand. Je besser die Menschen verstehen, welchen persönlichen Verlust das Sterben bedeutet, desto eher werden sie für die Schutzmaßnahmen einstehen.

Der (Geld-)Wert der Natur: 111 Billionen Euro

Um so konkret wie möglich zu sein, hängen einige Wissenschaftler der Natur auch ein Preisschild um. Darauf stand für das Jahr 2011: 111 Billionen Euro, pro Jahr! So viel sind die Dienstleistungen laut einer Hier geht es zur Studie über den Wert der Ökosystemdienstleistungen (englisch, 2017) Studie schätzungsweise wert, die Wälder und Sümpfe, Insekten und Säuger, Meere und Fische uns Jahr für Jahr zur Verfügung stellen.

Die Wissenschaftler berechneten auch, wie sich diese Dienstleistungen weiterentwickeln, abhängig davon, ob wir selbst klare Regeln für den Schutz der Umwelt und der Menschen aufstellen oder das dem Markt überlassen. Das Ergebnis: Orientieren wir uns weiterhin an Rendite und Wachstum, könnten die Dienstleistungen der Natur bis zum Jahr 2050 auf 80–90 Billionen Euro abfallen.

Orientieren wir uns daran, was der Natur und damit den Menschen hilft, und stellen auf saubere Technologien und nachhaltiges Wirtschaften um, kann sich die Natur jedoch wieder ein Stück weit erholen. Und dann kann sie sich so richtig für uns ins Zeug legen: Ihre Dienstleistungen würden in diesem Fall sogar wieder wachsen, auf 115–130 Billionen Euro im Jahr. Um es in der Sprache der Ökonomen zu sagen: Umweltschutz ist das beste Wachstumsprogramm und verspricht die höchste Rendite!

Titelbild: Mildly Morbid - CC0

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