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Liebes Tagebuch, ...

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Liebes Tagebuch, ...

11. März 2019
Themen:

Manche behaupten, du würdest mich kreativer, zufriedener und produktiver machen. Ist da was dran?



Möchtest du auch dein Leben verbessern, deine Kreativität entfesseln, zufriedener und produktiver werden? Dann haben zahlreiche Blogs und Online-Videos eine Lösung parat: Schreibe etwas!

»Wie das Schreiben mein Leben rettete.« – Titel eines Blogbeitrags auf PassionFlow

Seit ein paar Jahren tauchen immer neue Schreibrituale auf, die uns helfen sollen. Schreiben gehört zur Schreiben ist zum Beispiel ein wichtiger Bestandteil der »Miracle Morning«-Routine von Hal Elrod (englisch) »perfekten Morgenroutine« oder zu den Schreiben ist zum Beispiel auf dieser Liste Erfolgsgewohnheit Nr. 2 (englisch, 2016) »X Gewohnheiten, die alle erfolgreichen Menschen gemeinsam haben«. Immer wird dabei betont, dass jeder schreiben und Schreiben jedem helfen kann.

Das klingt sehr nach einem Hype. Doch dass Schreiben hilft, wird schon seit den 1980er-Jahren erforscht. Die meisten Studien untersuchen das sogenannte expressive Schreiben. Der Sozialpsychologe James W. Pennebaker beschreibt das »Basis-Schreib-Paradigma«, das er in den 1980er Jahren etablierte, so: »Die Probanden werden 2 oder mehr Gruppen zugeteilt. Jede Schreib-Gruppe bekommt ein spezifisches Thema. Die Probanden sollen, unabhängig von ihrem Thema, an 3 bis 5 aufeinander folgenden Tagen täglich zwischen 15 und 30 Minuten schreiben. Diese Schreibübungen finden meistens im Labor statt, die Probanden erhalten kein Feedback. In der Kontrollbedingung schreiben die Probanden meist über ein oberflächliches Thema, zum Beispiel darüber, wie sie ihre Zeit verbringen.« Die genauen Instruktionen kannst du hier (englisch, PDF) nachlesen. Die zahlreichen Studien zum Schreiben können sich hinsichtlich der Schreibübungen und Instruktionen natürlich unterscheiden, weswegen Vergleiche immer mit Vorsicht gezogen werden müssen. Mittlerweile belegen zahlreiche Studien, dass wir unserer Gesundheit tatsächlich etwas Gutes tun, Diese Review fasst die Studienlage zum therapeutischen Schreiben zusammen (englisch, 1999, Paywall) wenn wir zum Stift greifen. Schreiben hilft beim Studierende, die über Belastungen schrieben, konnten im darauffolgenden Monat besser mit Stress umgehen (englisch, 2002, PDF) Umgang mit Stress, Diese Studie untersucht den Einfluss vom Schreiben auf den Blutdruck (englisch, 2005, Paywall) senkt den Blutdruck und erleichtert die Beschwerden von Menschen mit Asthma und Diese Studie untersucht, ob sich Schreiben auf die Beschwerden von Asthma-Patienten und Menschen mit rheumatoider Arthritis auswirkt (englisch, 1999) rheumatoider Arthritis.

Am Hype ist also etwas dran. Doch wie genau und warum wirkt Schreiben so auf uns? Und wie können wir es gezielt für uns selbst einsetzen?

»Auf dem Blatt ist aus dem Kopf!«

Wir alle schreiben für uns selbst, um uns besser oder zumindest klarer zu fühlen: sei es die Erinnerungsnotiz »Brot kaufen«, die wütende E-Mail, die dann doch nicht abgeschickt wird, oder das Tagebuch. Dabei nutzen wir geschriebene Worte offensichtlich nicht nur, um mit unserer Außenwelt zu kommunizieren, sondern auch mit unserem eigenen Innenleben.

Doch ganz plump gefragt: Wenn ich einfach nur aufschreibe, was ohnehin in meinem Kopf herumgeistert – wie soll dabei etwas Neues entstehen?

»Selbst, wenn ich einfach drauflosschreibe, ordnen und strukturieren sich meine Gefühle und Gedanken ein wenig. Ich kann sie gar nicht so, wie sie in mir existieren, aufs Papier bringen«, sagt Silke Heimes auf ihrer Homepage Poesietherapeutin Silke Heimes. Sie hat in ihren Kursen und Fortbildungen immer wieder erlebt, was mit Menschen beim und unmittelbar nach dem Schreiben passiert.

Titelbild: Brent Gorwin - CC0

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