Menschen, die bewegen 

»Wir geben das Eisessen nicht auf, und hier kommen die News: Wir geben auch das Vögeln nicht auf!«

Auch wenn uns der Kapitalismus etwas anderes weismachen will – wir haben allen Grund, uns auf das Altsein zu freuen.

8. November 2018  15 Minuten

Altersarmut, einsame Tage im Altenheim, Alzheimer – wer das Alter vor allem für eine traurige Angelegenheit mit vielen Risiken und Nebenwirkungen hält, sollte dringend mit Ashton Applewhite sprechen. Ashton hat allerdings viel zu tun – unseren Skype-Termin haben wir über einen Monat im Voraus vereinbart. Ab März 2019 wird ihr Buch »This Chair Rocks« wieder erhältlich sein, ihr Manifest gegen Altersdiskriminierung, das sie zunächst im Eigenverlag herausbrachte, dessen Rechte sie nun aber an das Verlagshaus Macmillan verkauft hat.

Die 66-Jährige aus Brooklyn, New York, hatte selbst lange Angst vor dem Älterwerden, bis sie sich damit befasst hat, woher ihre Ängste eigentlich kommen und ob sie der Realität standhalten.

Ashton Applewhite

Ashton Applewhite ist 66 Jahre alt und derzeit die wohl prominenteste Aktivistin gegen Altersdiskriminierung in den USA. Sie hat ein Manifest mit dem Titel »This Chair Rocks« (deutsch: »Dieser Stuhl schaukelt«) geschrieben, betreibt den Blog »Yo, is this Ageist?« und stellt auf Oldschool.info Informationen und Materialien für all jene bereit, die sich selbst engagieren wollen.

Bildquelle: Adrian Buckmaster

Fakt ist: Alt werden wir im Normalfall alle, sogar immer älter.

Zumindest in Deutschland scheint die zweite Lebenshälfte und selbst die Zeit des Ruhestands eigentlich nichts zu sein, wovor man sich fürchten müsste. Glaubt man dem deutschen Deutscher Alterssurvey 2014: Zentrale Befunde (PDF) Alterssurvey aus dem Jahr 2014, ist ein Großteil der älteren Menschen relativ gesund, materiell gut versorgt, zufrieden mit der eigenen Wohn- und Arbeitssituation sowie den sozialen Kontakten.

Menschen, die eine negative Einstellung gegenüber dem Älterwerden haben, Bulletin der WHO: A global campaign to combat ageism (englisch, 2017) leben im Durchschnitt 7,5 Jahre kürzer als diejenigen, die dem Ganzen positiv entgegensehen. Negativbilder können also zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Aber warum hat das Alter überhaupt ein so schlechtes Image?

Ashton Applewhites Antwort: Die westliche Kultur ist geprägt von »Ageism«, also von Altersdiskriminierung. Ich verwende im Folgenden den Begriff Altersdiskriminierung als Übersetzung von »Ageism«. Wie bei anderen Diskriminierungsformen wie Rassismus oder Sexismus geht es darum, dass Menschen aufgrund äußerer Merkmale in eine bestimmte Schublade gesteckt werden. Es geht dabei um eine strukturelle (und oft unbewusst reproduzierte) Form von Diskriminierung, die bestimmte Merkmale negativ assoziiert oder mit Klischees auflädt. Und der hat sie den Kampf angesagt.

Titelbild: TED - copyright

von Katharina Wiegmann 

Als Politikwissenschaftlerin und Philosophin interessiert sich Katharina dafür, was Gesellschaften bewegt. Sie hat da ein paar Fragen: Wer bestimmt die Regeln? Welche Ideen stehen im Wettstreit miteinander? Wie werden aus Konflikten Kompromisse? Einer Sache ist sie sich allerdings sicher: Nichts muss bleiben, wie es ist.

Themen:  USA   Gesellschaft   Aktivismus  

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