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Trump und die (nicht so) Vereinigten Staaten

17. November 2016
Themen:

Jetzt ist es offiziell – Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Die Frage, die sich nun stellt, lautet nicht: Wie konnte das passieren? Sondern vielmehr: Was wird aus der ganzen Wut, die Trumps Wahlsieg offengelegt hat?



Mark Twain hat einmal gesagt, Amerika sei kein Ort, sondern eine Straße. Das, was dieses Land prägt und ausmacht, konzentriert sich nicht auf einen Punkt, es findet am Wegesrand statt. Und deshalb ist es immer wieder gut, mal das Ohr auf den Asphalt zu legen, um ein Gefühl für den Sound dieses riesigen Landes zu bekommen.

Was ist mit Amerika los, diesen vermeintlich Vereinigten Staaten, die gerade gespaltener scheinen denn je? Woher kommt diese Wut, auf die Donald Trump seine ganze Kampagne ausgerichtet hat und die ihn letztlich ins Präsidentenamt gebracht hat? Welche Kräfte hat er damit entfesselt, und welchen Handlungsspielraum hat Trump jetzt, um weiter auf die Gesellschaft einzuwirken?

Die Trump Show hat in den Swing States überzeugt

Die Suche nach Antworten beginnt in Raleigh, North Carolina, am Tag der Wahl. 19 Grad, die Sonne scheint, eine lange Schlange bildet sich vor einem Wahllokal im Bezirk Wake County. Auf dem Rasen zwischen den Wahlaufstellern der Kandidaten sitzen 2 Kinder und essen Apfelspalten. Männer unterhalten sich über das Basketballspiel vom Vortag, eine Frau erzählt vom Urlaub. Normaler Alltag.

Am Tag zuvor war Trump in Raleigh gewesen. Hier, auf einer seiner letzten Wahlveranstaltungen, sagte er vor 8.000 Zuschauern: »Die Metropolen in den Großstädten im Inland sind heruntergewirtschaftet, so was von heruntergewirtschaftet – und am härtesten trifft es die black community. Ihr habt doch nichts zu verlieren, dann könnt ihr auch für mich stimmen.«

Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Belangen schwarzer Wähler kann man bei bestem Willen nicht aus dieser Aussage herauslesen.

»Bei allem, was er gesagt hat, ist es ein Wunder, dass sie überhaupt noch gegen ihn antreten muss«, sagt Julie Brown über Trumps demokratische Konkurrentin Hillary Clinton. Die Mutter von 2 Kindern steht vor dem Wahllokal. Ihr Mann trägt das 15 Monate alte Kind auf dem Arm, sie hat den Lenker eines Bollerwagens in der Hand. »Je weniger Clinton im Wahlkampf gesagt hat, desto besser war es für sie: Trump hat sich ja von allein in die Nesseln gesetzt.«

Wie hat sie gewählt? »Ich habe für weder/noch gestimmt, ich habe auf dem Wahlzettel nur die Bezirkswahlen angekreuzt. Clinton ist sehr erfahren, aber sie vertritt nicht meine Ansichten.« Und Trump? »Es ist gar nicht mal so sehr, was da im Wahlkampf passiert ist. Für mich war eher ausschlaggebend, dass er anscheinend nicht kontrollieren kann, was er sagt.« Julie Brown verzieht die Mundwinkel, leicht resigniert. »Ich weiß nicht, ob das alles bloß für Unterhaltungszwecke war …«

Selbst wenn: Jetzt ist die Show vorbei. In North Carolina, einem wankelmütigen Swing State, haben am Ende des schmutzigen Wahlkampfs 50,5% der Wähler

Titelbild: Mobilus In Mobili - CC BY-SA

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